Gerade in der frühkindlichen Phase dominieren vor allem Nahrung und Nahrungsaufnahme den Tagesablauf von Kind und Eltern. Mit der Aufnahme von Mahlzeiten entspannt sich das Kind und gewinnt Vertrauen. Natürlich sind Muttermilch und Flüssignahrung zudem essenziell für Wachstum und Gesundheit des Kleinkindes. Flüssignahrung lässt sich mittlerweile schnell und einfach zubereiten, muss häufig nur abgekocht werden, um Keime und Bakterien abzutöten.

Diese heiße Nahrung eignet sich allerdings nicht für den direkten Verzehr. Um ernsthafte Verbrühungen in Mund- und Rachenraum sowie Speiseröhre und Magen des Kindes zu vermeiden muss sie zunächst abkühlen. Gerade für junge Eltern besteht dabei zum Teil große Unsicherheit bei der Bestimmung der geeigneten Verzehrtemperatur. Technische Hilfsmittel wie Thermometer oder Wärmetauscher können unterstützen, sind aber meist unhandlich – gerade, wenn Eltern und Kind unterwegs sind. Thermochromatische Lacke, die Temperaturänderungen anzeigen, werden ebenfalls selten verwendet, zumal ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit nicht ausreichend geklärt ist.

Somit testen Eltern die Temperatur der Flüssignahrung meist auf dem eigenen Handrücken. Dabei besteht jedoch die Gefahr, sich selbst zu verbrühen bzw. den Test mehrfach durchführen zu müssen, bis die gewünschte Temperatur erreicht ist. Mit dem mehrfachen Testen sinkt jedoch das subjektive Temperaturempfinden. Und es wird wertvolle Nahrung verschwendet.

Smart materials für das Wohlbefinden der Kinder

Die aus dem smart³-Ideenwettbewerb ZEIT ZU ZEIGEN entstandene „Canny Can“ löst dieses Problem komfortabel, einfach und sicher. Zwischen Flasche und Saugaufsatz wird ein zusätzlicher Verschluss integriert, der automatisch auf die Temperatur der eingesetzten Flüssigkeit reagiert. In den Verschluss eingebracht sind thermische Formgedächtnislegierungen (FGL), die die Flüssigkeit erst freigeben, wenn diese abgekühlt ist; solange die Flüssigkeit zu heiß ist, bleibt der Verschluss geschlossen, Kind und Eltern werden vor Verbrühungen geschützt. Ist die Flüssigkeit ausreichend abgekühlt, gibt der Verschluss die Nahrung frei.

Prototypen und Vorversuche des Canny-Can-Einsatzes
Demonstrator der Canny Can mit Prototypen und Vorversuchen. Foto: Sascha Linke

Dieses Prinzip kann auf weitere Flaschen, wie etwa Isolierflaschen, Kaffee- oder Teekrüge übertragen werden. Der spezifische Wärmebereich kann dabei für jedes Anwendungsfeld durch die Zusammensetzung der Formgedächtnislegierung bestimmt werden.

Mit ZEIT ZU ZEIGEN hat smart³ im vergangenen Jahr einen Ideenwettbewerb für Demonstratoren ausgelobt, um das große Potenzial von smart materials in den Themenfeldern Gesundheit, Mobilität, Produktion und Lebensstil auf eingängige Weise und mit großer Strahlkraft zu verdeutlichen. Eine interdisziplinär besetzte Jury kürte aus allen Einreichungen fünf Gewinner und vergab Umsetzungsfinanzierungen, um die Gewinnerideen Realität werden zu lassen.

Die „Canny Can“ wurde von den Vätern und FGL-Experten am Fraunhofer IWU in Dresden entwickelt. Wir sind jedenfalls schon sehr gespannt, wann wir das Produkt in naher Zukunft in den Läden stehen sehen werden.

Erfinder der Canny Can Christoph Eppler
Canny-Can-Erfinder Christoph Eppler. Foto: Sascha Linke

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