Langsam kriecht die schwarze, amorphe Masse über den Tisch, bildet schließlich Fühler aus, die sich in die Luft strecken und ihre Umgebung zu ertasten scheinen. Dann findet sie, was sie gesucht hat und scheint es langsam verschlingen zu wollen. Was sich anhört wie ein Wesen aus einem Science-Fiction-Film kommt tatsächlich aus dem Labor, ist aber eigentlich ganz und gar nicht bedrohlich – im Gegenteil. Der magnetische Schleim soll den Besucherinnen und Besuchern der forschungswerkstatt smart materials vermitteln, warum magnetorheologische Fluide smart materials sind, was man mit ihnen anstellen kann und wie man sie selber herstellt.

Denn genau darin liegt das Konzept der Offenen Werkstätten als Teil der forschungswerkstatt, einem smart³-Projekt zur Wissensvermittlung und Technikkommunikation: Komplexe wissenschaftliche Themen aufarbeiten und allgemeinverständlich präsentieren. Jeden Freitag geben Wissenschaftler, Tüftlerinnen und Maker im Gespräch Einblick in ihre Arbeit, bevor die Besucherinnen und Besucher selbst Hand anlegen können. Wissensvermittlung durch selber machen lassen.

Wissenschaftler mixt mit Kind magnetischen Schleim

Die Offene Werkstatt als Instrument zur Vermittlung komplexer Themen

An jenem Freitag sollten die magnetorheologischen Fluide (MRF) am Beispiel von magnetischem Schleim erklärt werden – jener kriechenden schwarzen Masse auf dem Labortisch.

MRF verhalten sich bei Einwirkung eines Magnetfeldes eher wie ein Feststoff statt wie Flüssigkeit verhalten. Vergleichbar ist das Verhalten in etwa mit Ketchup in der Flasche: Öffnet man die Flasche, scheint der Ketchup sich zunächst zu weigern, aus der Flasche zu fließen. Seine Moleküle bilden eine Verbindung, die das Fließverhalten beeinflusst. Einmal in Bewegung, lösen sich die Moleküle und der Ketchup verhält sich wieder wie eine Flüssigkeit.

Diese Eigenschaft, ihr Fließverhalten von MRF magnetisch beeinflussen zu können, wird inzwischen auch industriell genutzt. So kommen magnetorheologische Fluide etwa in Stoßdämpfern von Fahrzeugen zum Einsatz. Ein Mikrocontroller erkennt Bodenbeschaffenheit bzw. Fahrverhalten und stimmt die Federung des Fahrzeugs permanent darauf ab, indem ein Magnetfeld im Stoßdämpfer entsprechend angepasst wird.

Magnetischer Schleim als Wissenschaft zum Anfassen

Das Prinzip dahinter konnten die Besucherinnen und Besucher der forschungswerkstatt smart materials mit selbstgemachtem magnetischen Schleim erfahren. Vor allem die Kinder und Jugendlichen stellen den unter Anleitung eines smart³-Vertreters begeistert selbst aus Holzleim, Waschmittel und Eisen(III)-chlorid her, experimentierten damit und untersuchten, wie er sich unter dem Einfluss verschiedener Magnete verhält. Die Kleinen interessierten sich dabei eher für den Schleim und die Fühler, die er durch die Magneten ausbildete, die etwas Größeren für das Prinzip dahinter. Und vor allem die Papas interessierte der Lamborghini Huracán, in dem das MRF-Dämpfersystem serienmäßig verbaut ist.

 

Damit verließen die Besucher der Offenen Werkstatt die forschungswerkstatt smart materials mit neuem Wissen über smart materials, deren Alltagstauglichkeit und einem Becher voll selbstgemachtem magnetischen Schleim. Wissenschaft zum Anfassen.

Kind hält magnetischen Schleim in Händen

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

12 − = 9